Der Staat fördert die private Vorsorge.

14.11.2017
Volle Rentenvorteile hochladen (Fotolia)

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Ohne Tücken ist das 3a-Sparen allerdings nicht. Ein Minimum an Wissen sollte man haben. Noch immer glauben viele, mit der AHV und der Pensionskasse (PK) sei der Ruhestand genügend abgesichert.

Zweifelsohne ist das Schweizer Pensionssystem immer noch eins der Besten in der Welt. So rangiert es im weltweit anerkannten Melbourne-Mercer-Global-Pension-Index aktuell auf Platz 6 unter 27 ausgewählten, staatlichen Pensionsystemen. Ein Grund dafür, warum ein Grossteil der Schweizer immer noch glaubt, das mit der AHV und der Pensionskasse (PK) der Ruhestand genügend abgesichert sei?

Immerhin sind bei der AHV alle Schweizer Bürger ab dem vollendeten 17. Altersjahr obligatorisch versichert, und Angestellte mit einem Jahreslohn von mindestens 21’150 Franken* zahlen zudem automatisch Beiträge in ihre PK. Doch sind diese beiden Säulen der finanziellen Absicherung im Alter bereits ausreichend? Desweiteren die Frage, was eigentlich von den Sozialversicherungen zu erwarten ist? Zudem stellt sich die Frage, wie mögliche Lücken in der Altersvorsorge geschlossen werden können, wenn man schon über 50 Jahre alt ist?

Das Schweizer 3-Säulen Pensionssystem

Die Grundpfeiler der Altersvorsorge sind in der Bundesverfassung verankert. In Artikel 111 steht: «Der Bund trifft Massnahmen für eine ausreichende Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge. Diese beruht auf drei Säulen: der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, der beruflichen Vorsorge und der Selbstvorsorge.» Zur Absicherung des dritten und vierten Lebensabschnitts sind also nicht nur die AHV und die berufliche Vorsorge vorgesehen: Ein drittes Standbein ist die Selbstvorsorge – die dritte Säule. Einer Säule, welcher bei der Planung der Altersvorsorge ein Höchstmass an Beachtung geschenkt werden sollte. Doch betrachten wir die einzelnen Säulen des Pensions-Systems im Detail:

Säule 1: Die AHV

Die AHV, die erste Säule, soll nur den Grundbedarf gewährleisten. Zusammen mit der zweiten Säule, der beruflichen Vorsorge, soll der gewohnte Lebensstil auch nach der Pensionierung gewährleistet werden. Mit der dritten Säule, der Selbstvorsorge, sollen Lücken geschlossen und weitere Bedürfnisse finanziert werden: Reisen, ein neues Auto, aber auch Pflegekosten. Wenn alle drei Säulen stehen, ist die finanzielle Absicherung komplett.
Die Höhe der AHV-Rente hängt ab von der Anzahl Beitragsjahre und vom durchschnittlichen Einkommen. Wer Kinder unter 16 Jahren betreut hat, erhält Erziehungsgutschriften. Die Einkommen und Gutschriften von Verheirateten werden für die Zeit der Ehe geteilt und Mann und Frau je zur Hälfte angerechnet. Damit soll die Altersvorsorge jener Frauen verbessert werden, die wegen der Familie ihre Erwerbstätigkeit (teilweise) aufgegeben haben. Die monatliche Maximalrente für Alleinstehende beträgt derzeit 2350 Franken*, für Ehepaare und eingetragene Partner 3525 Franken*. Je nach Verhältnissen besteht ein Anspruch auf Ergänzungsleistungen.

Säule 2: Die berufliche Vorsorge

Die zweite Säule ist im Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) geregelt, das jedoch nur Minimalleistungen vorsieht. Den Arbeitgebern beziehungsweise Vorsorgeeinrichtungen steht es frei, Leistungen zu versichern, die über das Minimum hinausgehen. Zwingend versichert sind jedoch nur Angestellte mit einem Jahreslohn von mindestens 21’150 Franken*. Deren Lohn wird bis zu einer Höhe von 84’600 Franken* versichert, höhere Löhne fallen in den überobligatorischen Teil.
Auch der vieldiskutierte Mindestzinssatz (Verzinsung des angesparten Kapitals) und der Umwandlungssatz (Prozentsatz des Kapitals, der den Pensionierten als Rente jährlich ausbezahlt wird) gelten nur für die obligatorischen Beiträge. Im Umgang mit den darüber hinausgehenden Beiträgen sind die Vorsorgeeinrichtungen frei. Das bedeutet, dass die Verzinsung unter 1,75 Prozent* und der Umwandlungssatz unter 6,8 Prozent* liegen darf.
Ob die zwei Säulen in der Lage sind, den Lebensstandard im Alter zu sichern, ist angesichts der Finanzprobleme der AHV und der sinkenden Leistungen der beruflichen Vorsorge unsicher. Deshalb wird es immer wichtiger, dass jeder selbst vorsorgt:

Säule 3: Die private Altersvorsorge & die staatliche geförderte private Altersvorsorge

Bei der dritten Säule unterscheidet man die gebundene (3a) und die freie (3b) Vorsorge. Die Säule 3b umfasst jede Art privaten Sparens (Bankkonto, Aktien, Obligationen et cetera). Die Säule 3a wird vom Bund mit Steuervergünstigungen gefördert – ist aber stark reglementiert:

  • Die Säule 3a steht nur Personen mit AHV-pflichtigem Einkommen offen.
  • Die Jahresbeiträge sind limitiert: 6768 Franken* für Erwerbstätige, die in einer PK versichert sind, 20 Prozent* des Einkommens (aber höchstens 33’840 Franken)* für jene ohne PK.
  • Die Guthaben sind gesperrt bis fünf Jahre vor Erreichen des AHV-Alters. Ausnahmen: Wohneigentum, Selbständigkeit, Einkauf in die PK, Invalidität, Auswanderung.
  • Teilbezüge von 3a-Konten sind nur für Einkäufe in die PK und den Erwerb von Wohneigentum möglich.
  • 3a-Konten muss man spätestens bei Erreichen des AHV-Alters auflösen. Eine Verlängerung um maximal fünf Jahre ist möglich, wenn man länger erwerbstätig ist.

Fazit

Erst kürzlich scheiterte die über viele Jahre hinweg ausgearbeitete Reform der AHV im Rahmen der Volksabstimmung – wenn auch knapp. Die Probleme der AHV unter Kosten- als auch Strukturaspekten bleiben aber somit nachwievor ungelöst. Wer sich also auch in Zukunft darauf verlässt, dass die ersten beiden Säulen verlässliche Grössen bei der Altersvorsorge darstellen, hat schlicht die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Einzig die dritte Säule bietet die Möglichkeit die Höhe der eigenen Altersvorsorge nachhaltig zum Positiven zu beeinflussen. Zumindest dann, wenn man sich innerhalb der – zugegebenermassen – engen Vorgaben bewegt. Eine Chance, die man bei der Planung der eigenen Altersvorsorge dennoch keinesfalls vernachlässigen sollte.
*= Alle Zahlen gelten für das Jahr 2017 und können sich für das Jahr 2018 ff verändern.

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